Kategorie: Reiseberichte

Kultur pur: In der Klause von Valldemossa wird Musik lebendig


Valldemossa


Ich hatte bislang immer gedacht, Mallorca würde nur aus Strand bestehen, an dem ab morgens zum Frühstück Caipirinha getrunken, mittags geschlafen und nachts gefeiert wird. Bislang hatte ich die Insel immer erfolgreich gemieden und meine Vorurteile gepflegt. Als eine gute Bekannte dann sagte, sie wolle zum klassischen Musikfestival nach Pollensa und ich solle mit, fragte ich erstaunt: „Ja, wo liegt denn das?“

Ich ließ mich breitschlagen, denn Musik auf einer Insel, das könnte mir vielleicht doch ganz gut gefallen. Ein bisschen Geige, ein bisschen Klarinette, ein bisschen Piano und das alles ganz piano. Damit ich auch die Architektur Palmas zu schätzen lernte, mieteten wir unweit davon an der Cala Blava eine Ferienwohnung mit Meerblick, einem tollen Pool und ich muss sagen, ich war dann doch schwer begeistert.

Fincas auf Mallorca


Unter der Architektur Palmas hatte ich mir bis dahin immer die Ballermann-Buden vorgestellt, aber, zugegeben, ich habe das wohl mit der Playa de Palma verwechselt. Daraus kann man mir, so redete ich mich erfolgreich heraus, allerdings keinen Vorwurf machen, denn ich bin ansonsten Italien-Freak und war an der spanischen Kultur bislang wenig interessiert. Palma begeisterte mich schon, und die Fahrt nach Pollensa in den Norden der Insel war wunderschön – vorbei an romantischen Fincas auf dem Land, privaten Jagdgrundstücken, Luxusvillen und schicken Ferienhäusern. Und jeder Menge Landschaft.
Doch die Fahrt nach Valldemossa in die alte Kartause, in der der Komponist Fréderic Chopin mit seiner Lebensgefährtin George Sand seinen berühmten Winter auf Mallorca verbrachte, nahm mich vollends gefangen. Durch das Kloster geht man nicht, man wandelt förmlich. Die Atmosphäre dieses kleinen Ortes, der immerhin eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel beherbergt, habe ich bis heute nicht vergessen.

Finca Objekt ID 2287


Amüsiert hat mich die Diskussion in den lokalen Wochenzeitungen, dass Chopin-Fans sich möglicherweise Urzeiten vor dem falschen Klavier haben fotografieren lassen. Das begehrte Fotoobjekt, das in Zelle 2 der Klause steht, war, so argwöhnen Fachleute, vielleicht zu Insel-Zeiten Chopins noch gar nicht gebaut. Und ob gar der Musiker und seine Freundin die beiden Wintermonate in Zelle 4 verbracht haben, in der das französische Klavier steht, auf dem Chopin tatsächlich komponiert hat? Da die Zellen des Klosters, soweit ich hörte, samt und sonders verschiedenen Privatleuten gehören, entbrennt nun ein ausgedehnter Streit um den längst verstorbenen Musiker. Ich jedenfalls habe Mallorca in guter Erinnerung: Klangvoll bei den Konzerten, beruhigend beim abendlichen Meeresrauschen auf der Terrasse, und kulinarisch in Bezug auf die wunderbar deftige Küche, die ich dort genossen habe.

Ich weiß jetzt ganz genau, was Mallorca zu bieten hat. Es besteht nicht nur aus Strand und Caipirinha, sondern hat eine wundervolle kulturelle Geschichte, die ich bis zum nächsten Besuch ausführlich nachlesen werde.