Kategorie: Reiseberichte

Flamingos auf dem weißen Gold der Insel


„Weißes Gold der Insel?“
Urlaub an Strand und Meer ist beileibe nicht das einzige, was auf Mallorca möglich ist. Die Insel hat Geschichte. Eine lange Geschichte, von der man kaum glaubt, wie alt sie ist. Schon vor dem vierten Jahrhundert vor Christus gab es die Salzseen im Inselsüden. Berge mit Tradition. Und ein Ort, den Flamingos als ihre Heimstatt betrachten, vor allem in den Monaten August bis Oktober. Hunderte der Tiere landen dann hier im Süden der Insel, viele verbringen den Winter hier. Ich kam wegen ihnen.

Flamingos und Führungen durch die Salzberge
Von einer Freundin hörte ich, dass mittlerweile Führungen stattfinden, bei denen es einmal nicht über Stock und Stein, sondern über Stege geht, die mitten durch die weißen Berge führen. Ein Naturschauspiel sondergleichen, was Farbe, Flora und Fauna betrifft, denn die Salzseen von Ses Salines de Levante auf Mallorcas sind ein einzigartiges Ökosystem, das seinesgleichen sucht. Und das interessierte mich als Biologin am meisten.

Vögel machen Zwischenstopp
Schon allein aus der Ferne betrachtet sind die Hügel mit dem weißen Gold eine Augenweide. Sie spiegeln sich im Wasser, wenn die Sonne scheint. Durch 140 Salzbecken schlängeln sich die eigens für diese Führungen errichteten Holzstege, Ein Rundgang dauert um die 90 Minuten und findet von April bis Oktober täglich viermal statt.

Gut geplant sollte eine Reise also sein, um genau die Zeit zu erwischen, in der die Flamingos ihre Heimstatt in Ses Salines aufschlagen, bevor sie sich zum Jahresanfang Richtung Malaga oder in die französische Camargue aufmachen, wo die größten Kolonien leben.

Leben im Salzsee
Flamingos sind Wirbeltiere, die relativ anspruchslos sind, was die Nahrung betrifft. Sie ernähren sich von den kleinen Organismen, die im salzhaltigen Wasser leben. Kaum ein anderes Wirbeltier kann das spärliche Angebot an Nahrung aushalten, was dieses besondere Wasser bietet. 

Aus diesem Grund ist das Vorkommen von Fischen dort, wo Flamingos leben, fast unmöglich. Der klobige Schnabel des Flamingos durchseiht bei der Nahrungsaufnahme das Wasser und wird als Sieb benutzt, um so auch Algen, Insektenlarven, Pflanzensamen und kleine Krebse zu fangen. Die Krebse sind es übrigens, die dem Flamingo später das rosa Farbenkleid geben, denn die Federn nehmen die Farbe der Krebse auf.

Brutzeit
Flamingos legen ihre Eier von Mitte April bis Mai ab. Die Eltern wechseln sich beim Brüten, das ungefähr einen Monat dauert, ständig ab. Möwen sind ihre ärgsten Feinde, denn sie stöbern gerne die Nester auf. Ist das Flamingoküken geschlüpft, ist es nach knapp 80 Tagen so selbstständig, dass es allein auf Futtersuche gehen kann.

Nach fünf Jahren sind die Tiere geschlechtsreif. Ihr Höchstalter beträgt um die zehn Jahre. Schade, dass die Flamingos zu einer Zeit nach Mallorca kommen, in der keine Brutzeit ist. Das wäre noch mein größter Traum, die kleinen Vögel auf meiner Lieblingsinsel zu beobachten.