Kategorie: Reiseberichte

Das Tramuntana-Gebirge – Konzert aus Felsen, Meer und Wind


Die Piratenangriffe auf die Tramuntana, dem Gebirge im Westen Mallorca, gehören zwar heute der Vergangenheit an, aber es lauern immer noch die für diese Landschaft typischen Gefahren, wie zum Beispiel die Steilwände im Torrente de Pareis oder vom Winde abgerissene Äste, losgerissene Steinbrocken oder Hinterlassenschaften der hier inzwischen heimisch gewordenen Gänse- und Mönchsgeier.
Schon der französische Schriftsteller Georg Sand und der Komponist Frédéric Chopin erkannten damals die Schönheit dieses Gebirges mit seiner einzigartigen Landschaft und verbrachten im 19. Jahrhundert einige Monate dort. Während der Schwindsucht geplagte Chopin sich im kalten und feuchten Kloster von Valldemossa mit Husten quälte, ließt sich Sand von der schönen Landschaft verzaubern und schrieb ihr sogar eine Liebeserklärung „Ein Winter auf Mallorca“.

Ein heimatloser Abkömmling der kaiserlichen österreichischen Familie  begann dann 35 Jahre später Land in der Nähe von Deià zu kaufen. Aus der Sicht der Einheimischen, reines Geröll und  ein wertloses Grundstück. Der kaiserliche Sprössling, der Erzherzog Ludwig Salvator von Habsburg, blieb jedoch 41 Jahre lang und schrieb mehr als ein Dutzend Bücher, darunter das berühmte Lehrbuch „Die Balearen“, eine akribische Bestandsaufnahme der Inselgruppe.
Die Anwesen des Erzherzogs, darunter Son Marroig, S’Estaca, Son Moragues und Miramar, existieren noch heute. Besondern Son Moragues ist ein einzigartiges Zeugnis dieser glücklichen und dennoch verzweifelten Liebe zur Tramuntana.  Hieraus entstand auch der Moragues-Park.

Im Gegensatz zu den knochentrockenen Salinen-Gebieten im Süden Mallorcas, in denen noch heute das Flor Sal gewonnen wird, ist die Tramuntana die wasserreichste Region der Insel. Die Gipfel des Puig Major, des Teix, der Massanella und des Tomir tragen im Winter sogar Schnee und in Bunyola regnete es den mallorquinischen Rekord von bis zu 1000mm/qm. Das Bergdorf Esporles richtete Ende des 19. Jahrhunderts sogar ein kleines Wasserkraftwerk ein und trieb somit die Spinnräder, Webstühle und die ersten Stofffabriken anzutreiben.
Bunyola ist verfügt zudem über den reichsten Olivenbaumbestand und stellt in einer eigenen Presse Mallorcas feinstes Olivenöl her. Soller, das aufgrund des reichen Olivenbestandes auch „Tal des Goldes“ genannt wird, entdeckte zudem ein weiteres Produkt, mit dem sich gut wirtschaften lies: Orangen. Die vielen Orangenhaine verleihen dem Ort heute mit ihrem süßen Duft und dem Leuchten der Früchte ein paradiesisches Aussehen.

Auch Schweine, Schafe, Kühe und Ziegen fanden auf den satten und würzigen Feldern einen perfekten Weidegrund. Jaume I. teilte das Land schließlich in verschiedene Landgüter auf, von denen fast alle heute noch erhalten sind. Viele werden noch bewirtschaftet, manche sind heute Museen, wie z. B. das La Granja bei Esporles. 1912 liessen die Bürger Sollers eine Eisenbahnstrecke von Soller nach Palma bauen und konnten so ihre Orangen und Oliven schneller transportieren. Architektonische Meisterleistungen sind auch die Straße von Port de Pollenca nach Cap Formentor oder die Serpentinen nach Sa Calobra mit dem berühmten Kravattenknoten. Nicht zuletzt ist das Tramuntana-Gebrige auch ein Refugium für viele Pflanzen- und Tierarten. So wurden die in Europa selten gewordenen Mönchsgeier hier erfolgreich wieder angesiedelt und auch Gänsegeier kann man hier beobachten.

Wer die wunderschöne Landschaft der Insel gerne selbst einmal erleben möchte, der kann sich eine der vielen Ferienwohnungen, Fincas oder Ferienhäuser rund um das Tramuntana-Gebirge, wie beispielsweise in Port Soller, Puerto Andratx oder auch Paguera mieten und die vielen Wanderwege erkunden, welche durch die schöne Gebirgslandschaft führen. Auch ein Last Minute Mallorca Urlaub ist immer eine beliebte Reiseart der Deutschenund mit etwas Glück kann man eine günstige Unterkunft finden.