Kategorie: Reiseberichte

Das „natürliche Mallorca“


Schon Ludwig Salvator hat die Vorzüge Mallorcas erkannt, und das war im 19. Jahrhundert. Er liebte das, was heute den Charme unserer sonnigen Baleareninsel ausmacht, wenn man nicht auf Ballermann, Sangria und nur Urlaub am Strand steht. Mallorcas Kultur und Tradition bestehen auch aus seiner Flora und Fauna. Und Ludwig Salvator streifte deshalb ab 1870 über die Insel, um ein Werk zu schreiben, das bis heute von dem Mallorquinern verehrt wird. Es heißt schlicht „Die Balearen“ und entstand 1869 bis 1891. Alle sieben Bände auf meiner Wanderung über die Insel mitzunehmen, das erschien mir zu schwer. Aber einige Seiten habe ich kopiert und meine botanischen Spaziergänge über die Insel genossen. Einen großen Teil der Informationen – ich hatte schließlich einen Großteil der Bücher bereits in Trier gelesen – trug ich im Kopf.

Gestartet bin ich, ganz allein, in den „Niederungen“ der Insel, im flachen, manchmal hügeligen Land des Inselostens. Ruhe und Beschaulichkeit abseits vom blühenden Tourismus, nur Natur: All das war für mich Grund genug, auf die größte Insel der Balearen zu fliegen, die ich so noch gar nicht kannte. Als ich mich durch zahlreiche Bücher in Deutschland las, um mehr über Orchideen in Spanien zu erfahren, stieß ich auf zahlreiche Mallorca-Literatur, die mich schnell fesselte. Und dann fesselte mich die Finca in der Nähe von Manacor, die ganz ländlich gelegen als optimales Ruhezentrum den Eindruck machte, genau das richtige Domizil für mich zu sein. Grund genug, mich auf die Reise zu machen.

Meine Märsche über die Insel waren wirklich „natürlich eindrucksvoll“. Die Vegetation hier nennt sich „garigue“ und ist ein Konglomerat vieler Pflanzen, die sich an das Klima bestens gewöhnt haben. Starke Sonne, die rasante Verdunstung des Wassers, der Mangel an Nass in den Hitzemonaten: All das hat in Jahrhunderten Stacheln und verhärtete Blätter an den Pflanzen hervorgebracht, die so dem heißen Klima Widerstand leisten. Und mehr als 30 Orchideenarten blühen hier im Schatten von Sträuchern – in unberührter Natur. Meine Kamera war schnell voll.

Nach einer eintägigen Wanderung im felsigen Tramuntana-Gebirge – ich weiß wirklich nicht, welches  Landschaftspektakel mir besser gefällt – kehrte ich abends geschafft, aber gut gelaunt wieder in den Inselosten und auf meine Finca zurück. Die beiden letzten Tage verbrachte ich an den Stränden, die mit dem Auto in wenigen Minuten zu erreichen sind. Die Cala Anguila, die Cala Mandia, die Cala Romantica – sie zeigen sich noch ruhig jetzt im Wonnemonat Mai. Die Liegestühle und Sonnenschirme sind schon aufgebaut, die Strandbars geöffnet. Mein Urlaub auf Mallorca war „natürlich“ schön. Am Wasser und in den Hügeln.