Kategorie: Essen und Trinken 18.05.2011 18:08

Historische Traubensorten auf Mallorca


Winzer kämpfen um historische Traubensorten auf Mallorca


Schon seit einigen Jahren kämpfen mallorquinische Winzer für die Zulassung und den Erhalt zweier historischer Weinsorten auf Mallorca. Es handelt sich hierbei um die beiden Rebsorten „Giró Blanc“, ein Weißwein und die „Gargollassa“, einen Rotwein. Mehrere Flaschen Wein liegen in den Kellern der Winzer und dürfen lt. Bestimmungen der Balearen-Regierung nicht verkauft werden und wurden versiegelt.

Die Geschichte:

Angefangen hat alles in den 90er Jahren: Drei Weinkellereien schlossen sich damals zusammen und wollten die Rebsorten der Insel erweitern. Sie entdeckten die beiden regionalen Sorten Mantonegro und Callet, welche in historischen Dokumenten jedoch mit keinem Wort erwähnt werden. Also eine „neue Rebsorte“?

Sie fanden zudem rund 30 weitere Sorten aufgelistet, welche jedoch wiederum gar nicht angebaut werden. Die drei Winzer machten sich auf die Suche und wurden fündig. Ein alter Bauer hatte tatsächlich noch eine dieser alten Rebsorten in seinem Garten.

Im Jahre 1995 wurden so in Felanitx die beiden Sorten Giró Blanc und Giró Negre und 1998 bei Inca vier Rebstöcke der Sorte Gargollassa entdeckt. Man begann diese alten Rebstöcke wieder zu kultivieren und die drei Winzer pflanzten diese Rebsorten wieder systematisch auf Ihren Weinanbaugebieten an, beschränkten sich aber auf die Trauben Giró Blanc und Gargollassa.

Rekultivierung:

Da alle drei Winzer in den unterschiedlichen Regionen Consell, Manacor und Algaida zu Hause waren, versuchten sie herauszufinden, welche Rebsorte an welchem Ort am besten wuchs und experimentierten so, bis der ideale Platz für die jeweiligen Rebsorten gefunden war. Die Winzer unterschätzten jedoch die Bürokratie, denn nicht jeder kann einfach so eine Rebsorte irgendwo anpflanzen und den Wein dann verkaufen. Dies unterliegt strengen Genehmigungsverfahren. Die drei Winzer wurden aufgefordert einen 5-jährige Studie durchzuführen, doch nach Abschluss dieser Studie änderte Brüssel mal eben die Normen und sie konnten wieder von vorne anfangen.

Die Tatsache, dass es sich hier um historische und dokumentierte Sorten handle, spielte für die Zulassungsprozedur keine Rolle. Aufgrund des langwierigen Bürokratieprozesses werden die Winzer wohl einige der schon fertigen Weine entsorgen müssen, da sie schon schlecht geworden oder nicht mehr lange haltbar sind. Schade eigentlich. Eine Zulassung wurde jedoch bereits angekündigt, allerdings durften die beiden Sorten Gargollassa und Giró Blanc dann nur als Tafelwein verkauft werden und die Sorten und Herkunft somit nicht auf dem Flaschenetikett vermerkt werden.

Inzwischen findet man die historischen beiden Rebsorten bzw. Weine auch wieder in den Weiregalen  und man sollte sie durchaus einmal probieren.

Der Rotwein der Rebsorte Gargollassa, im Eichenbarrique gereift, hat ein eher kräftiges Aroma mit einer Note von Johannisbeeren und Heidelbeeren sowie Tabak und Zedernholz.

Der Weißwein Giró Blanc hat ein eher blumiges Aroma mit leichter Zitrusnote und einem Hauch von Butter.