Kategorie: Mallorca 03.04.2011 11:18

Neues Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien ab dem 01.01.2012


Das ab dem 01. Januar 2012 in Kraft tretende Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)  soll  insbesondere den Informationsfluss zwischen den Finanzämtern erleichtern und die Besteuerung von Immobiliengesellschaften vereinheitlichen.
Personen, die in beiden Ländern steuerpflichtig sind, sollen somit künftig nicht zwei Mal zu Kasse gebeten werden. Ein entsprechender erneuerter  Vertrag wurde beim Deutsch-Spanischen Gipfel im Februar in Madrid abgesegnet.  Bis Ende 2011 haben beide Länder somit Zeit, die beschlossenen Änderungen in die jeweilige Gesetzgebung einfließen zu lassen.

Bislang war beispielsweise der Datenaustausch für Mallorca-Deutsche, laut dem aktuell gültigen Abkommen, auf die Einkommens- und Vermögenssteuer beschränkt. AB 2012 werden die Bücher dann komplett geöffnet und sorgen so für mehr Transparenz. Beide Länder können dann auch bis hinunter auf Gemeindeebene in allen Steuerangelegenheiten Auskünfte einholen und um Amtshilfe bitten. Besonderes Interesse gilt hier der Schenkungs- und Erbschaftssteuer.

Beträchtliche Auswirkungen kann eine Änderung des DBA für jene Deutschen haben, deren  Mallorca-Immobilie sich nicht im direkten Eigentum befindet, sondern über eine deutsche Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder spanische Sociedad Limitada gehalten wird. Vielen Deutschen ist die Sociedad Limitada viele Jahre hindurch für den Ankauf von Immobilien empfohlen worden, weil beim Wiederverkauf unter gewissen Voraussetzungen enorme Steuerersparnisse erzielt wurden.

Im Jahre 2008 fiel ein Vorteil für Residenten durch die Aussetzung der Vermögenssteuer schon einmal weg. Nichtresidenten mit Haupt- und Steuerwohnsitz in Deutschland sparten beim Verkauf immerhin noch die spanische Steuer auf den erzielten Gewinn. Hier sind bislang laut geltendem Doppelbesteuerungsabkommen nur in Deutschland Abgaben zu leisten.

Durch die neue Regelung wird nun auch Spanien das Recht zugestanden, Immobilienverkäufe dieser Art zu besteuern, wodurch sich, jedenfalls was Spanien betrifft, die Steuervorteile in Luft auflösen. Der Verkauf einer Vermögensgesellschaft, welche eine Immobilie hält, kostet nun steuerlich genauso viel wie der Verkauf ohne diese rechtliche Konstruktion, nämlich 19 Prozent auf den Gewinn.

Für Nichtresidenten ist der Verkauf von Immobilien allerdings generell attraktiver geworden. Bis zum Jahre 2006 zahlten Residenten 15 Prozent auf den Gewinn, Nichtresidenten 35. Heuete hat es sich ein wenig umgekehrt, denn Residenten zahlen nun 21 Prozent und Nichtresidenten 19 Prozent.
 
Zu den Immobilien, die ab 2012 in Spanien steuerlich praktisch in der Falle stecken, gehören neben  Gebäuden auch Liegeplätze von Yachten oder Golfplatzaktien, die in manchen Clubs als alternative Formel zu normalen Mitgliedschaften gehandelt werden.

Deutsche Rentner, die in Spanien gemeldet sind, müssen derzeit ihre Bezüge auch hier versteuern. Das wird sich schrittweise ändern, denn ab 2015 darf der deutsche Staat von den Zahlungen 5 Prozent einbehalten und ab 2030 steigt der Einbehalt sogar auf 10 Prozent. Diese Bezüge bleiben in Spanien weiterhin steuerpflichtig, der deutsche Einbehalt kann jedoch angerechnet werden. Für Bezieher einer Beamtenpension bleibt steuerlich weiterhin Deutschland zuständig.
In Spanien lebende Rentner und Pensionäre  müssen ab einem jährlichen Mindesteinkommen von 11.200 Euro in Spanien auch eine Einkommenssteuererklärung einreichen. Dies kann jedoch auch Vorteile haben, wie beispielsweise in einem Erbfall. Dann profitieren Steuer-Residenten von der niedrigen Erbschaftssteuer der Balearen. Allerdings bedeutet eine Eintragung im Ausländer-Melderegister nicht automatisch die Anerkennung des Steuerwohnsitzes in Spanien.

Aufpassen müssen Nichtresidenten bei Bankkonten in Spanien, denn für die Erbschafts- und Schenkungssteuer wird es kein Doppelbesteuerungsabkommen geben, auch in Zukunft nicht. In jedem Fall sollte man sich gründlich informieren, wenn man die Absicht hat, seinen Wohnsitz nach Spanien bzw. Mallorca zu verlegen und alle steuerlichen Vor- und Nachteile abwägen bevor es heisst "Good-Bye Deutschland".